PROJEKTREPORTAGE

KPM Hotel & Residences, Berlin

Axthelm Rolvien, Potsdam

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Hotel- und Appartementgebäude in Berlin

  • Text: Andreas Woche
  • Fotos: Werner Huthmacher

Seit 1763 ist das kobaltblaue Zepter der Kurfürsten von Brandenburg das traditionsreiche Zeichen der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin. Diese bedeutende 250-jährige Geschichte der KPM und der heutige Auftritt der Manufaktur verbinden das 2019 auf dem Gelände des KPM-Quartiers am Berliner Tiergarten neu errichtete Hotel. Architektonisch setzt der Neubau des Potsdamer Architekturbüros Axthelm Rolvien dabei auf Eleganz und Individualität.

Zwischen dem Berliner S-Bahnhof Tiergarten an der Straße des 17. Juni und der Spree liegt das traditionsreiche KPM-Quartier. Ab 1998 erfolgte die denkmalpflegerische Instandsetzung des Geländes durch die Architekten von Gerkan, Marg und Partner sowie die Weiterentwicklung des Quartiers mit der Eröffnung einer Verkaufsgalerie in der historischen Ringkammer-Ofenhalle 2006 und der KPM-Welt mit Dauerausstellung und Gastronomie im folgenden Jahr.

Die sukzessive architektonische Neugestaltung des Geländes sollte in einer Bebauung einer Brachfläche an der nordwestlichen Ecke des Quartiers ihre Fortsetzung finden. Dort beauftragte die KPM das Potsdamer Architekturbüro Axthelm Rolvien mit dem Entwurf eines Hotel- und Appartementgebäudes im 4-Sterne-Plus-Segment. In der Gestaltung der KPM Hotel & Residences sollte der historischen Backsteinarchitektur ein bewusst modernes Architekturelement hinzugefügt und damit auf den gestalterischen Wandel der KPM im Laufe ihrer langen Geschichte hingewiesen werden.

Das äußere Erscheinungsbild hebt sich in seiner Fassadengestaltung in Form von verschobenen Kuben, die sich wie große Erker hervorheben, von den Fassaden der angrenzenden Gebäude in der Straßenflucht ab und verleiht dem Gebäude eine dreidimensionale Lebendigkeit. Stahl und Glas sollen ihm einen betont industriellen Charakter geben. Annette Axthelm und Henner Rolvien beschreiben die Leitidee ihres Entwurfs wie folgt: „In direkter Nachbarschaft zu den etablierten Fabrikgebäuden der KPM sollte ein bewusst modernes Gebäude ein neues Signal im Umfeld setzen und als zeitgerechter Bau den historischen Bestand komplettieren.“ 

Im Inneren wird sowohl in den Hotelzimmern als auch in den Foyer- und Loungebereichen auf eine kontrastierende Gestaltung gesetzt, die moderne Architekturelemente wie Stahl oder Sichtbeton mit dem zarten und zerbrechlichen Material des Porzellans kombiniert. Dieses Konzept wird komplettiert durch eine sehr präsente schwarz-weiße Farbgebung, beispielsweise in den Flurbereichen und dem Eingangsfoyer. In den spiegelverglasten Kompartimenten der zweigeschossigen, in Schwarz gehaltenen Wandgestaltung des Foyers wird helles Porzellan der KPM präsentiert. Einige Räume auf der Rückseite des Gebäudes lassen einen Blick in die Produktionsstätten zu, wo Porzellanmaler bis heute alle Erzeugnisse per Hand gestalten und jeden Gegenstand individualisieren.

Das Hotel unterscheidet zwischen vier Zimmerkategorien. Hier zu sehen: die
Deluxe Lounge. Foto: KPM Hotel_White Kitchen

Ein ähnliches Konzept setzen die Architekten auch in der Gestaltung der Zimmer und Appartements des Hotels um, indem sie den Gästen einen architektonischen Gestaltungsspielraum bei der Nutzung der Räume bieten. Für Axthelm Rolvien sollte ein Ziel der Innenarchitektur sein, „für die Gäste durch ein möglichst variables Konzept viele Optionen zur Individualisierung ihres Zimmers oder Appartements zu schaffen“. So lassen sich beispielsweise die in den Zimmern vorhandenen Pantryküchen in Schrankform individuell nach Belieben ein- und ausfahren.

Die Räume sind in Weiß-, Schwarz- und Grautönen gehalten, erhalten jedoch durch grüne Sofas, rote Stühle und hölzerne Beistelltischchen farbliche Akzente. Auch durch die dreidimensionale Fassadengestaltung mit den an der Flucht hervorgehobenen Kuben ergibt sich im Inneren eine unterschiedliche Raumgestaltung und Variabilität der einzelnen Zimmer. So konnten die von außen sichtbaren Erker und Kuben in den Innenräumen als Podeste für den Einbau von Couchnischen genutzt werden, während andere Zimmer über Terrassenflächen verfügen, die den Blick auf das Gelände des KPM-Quartiers freigeben.

Die Nutzungsmöglichkeiten bieten Spielraum für eigene Interpretationen und stellen damit aus der Sicht der Architektur eine Analogie zum künstlerischen Gestaltungsspielraum der Porzellanherstellung her. Somit fügt sich das KPM-Hotel mit seinen 118 Hotelzimmern und 58 Longstay-Appartements, verteilt auf acht Geschossen, architektonisch als moderne Komponente und interpretatorisch durch die Kontinuität der individuellen Nutzungsmöglichkeiten ideal in den Kontext des KPM-Quartiers ein und kann somit als ein sinnvoller, ergänzender Baustein der architektonischen Entwicklung des Geländes bezeichnet werden.

Die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin bezog den Standort an der Englischen Straße bereits im Jahr 1872, nachdem sie in der Leipziger Straße in Berlin-Mitte ihre erste Produktionsstätte dem Preußischen Landtag und dem Reichstag überließen. Gegründet wurde die Berliner Porzellanmanufaktur bereits Mitte des 18. Jahrhunderts und 1763 erfolgte durch den Kauf des Königs Friedrich der Große, der sich einige Jahre später als den besten Kunden seiner Manufaktur bezeichnete, ihre Integration als Königliche Porzellan-Manufaktur in den preußischen Staat. Nach starken Zerstörungen des Geländes am Berliner Tiergarten im Zweiten Weltkrieg konnte die KPM nach einer temporären Auslagerung ihrer Produktion ins fränkische Selb ihr nun in West-Berlin befindliches Quartier 1957 wieder beziehen.

Die Planer des Hotels wählten mit Lineare für die Waschtische der Bäder eine Armaturenlinie, die mit ihrer Reduzierung auf klare geometrische Formen schlichte Eleganz ausstrahlt.

Architekten

Axthelm Rolvien GmbH & Co. KG

Stubenrauchstraße 26
14482 Potsdam

www.axthelm-rolvien.de

Im Juni 2010 vereinten die Architekten Annette Axthelm und Henner Rolvien ihre Büros zu Axthelm Rolvien GmbH & Co. KG in Potsdam, um den Anforderungen an eine interdisziplinäre Vernetzung von Bauherren, Planern und ausführenden Firmen noch besser gerecht zu werden. Mit einem professionellen Team aus über 50 erfahrenen Architekten kann ein großes Spektrum verschiedenster Planungsaufgaben übernommen werden. Bauten für Medien und Gewerbe, Pflege-, Gesundheits- und Bildungseinrichtungen, Hotel- und Wohnungsbau, Verkehrsarchitektur, im Städtebau und Denkmalschutz werden in allen Leistungsphasen mit Knowhow und Professionalität abgedeckt.

Projekte (Auswahl)

2016 Wohn- und Geschäftshaus Schlüterstraße, Berlin
2011 SO/ Berlin Das Stue
2007 ZDF Nachrichtenstudio

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